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Schulter
Erkrankungen der Schulter
Unter dem „klassischen Outlet-Impingement“ versteht man eine räumliche Enge zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf, welche durch die Form des Schulterdaches und einer Spornbildung bedingt ist. In diesem Raum verlaufen die Sehnen der Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf im Gelenk zentrieren. Schmerzen bei Bewegungen des Armes über die Horizontale und nachts stellen die Hauptsymptome dar. Weiterhin wird häufig über eine Kraftminderung bei Bewegungen in den Raum berichtet.
Durch Krankengymnastik und entzündungshemmende Medikamente kann in frühen Stadien häufig eine komplette Schmerzfreiheit erreicht werden. Bei anhaltenden Beschwerden wird der überstehende "Sporn" arthroskopisch abgefräst. In 85 Prozent der Fälle führt dies zu guten bis sehr guten Ergebnissen.
Vier Sehnen (Rotatorenmanschette) umschließen und führen den Oberarmkopf. Sehnenrisse kommen mit zunehmendem Alter aufgrund von Verschleiß gehäuft vor. Während unter 50 Jahren ein Sehnenriss eher selten vorkommt, ist in der Altersgruppe über 70 Jahre bereits jeder Dritte betroffen. Meist sind alltägliche Bewegungen oder kleinere Unfälle ausreichend, um eine vorgeschädigte Sehne zum Reißen zu bringen. Kurz nach dem Durchreißen besteht ein einschießender Schmerz kombiniert mit Bewegungsunfähigkeit. Nach der akuten Phase ist der Patient meist durch belastungsabhängige Schmerzen bei Überkopf- und abspreizenden Bewegungen geplagt. Kraftverlust und besonders der Nachtschmerz beim Liegen auf der Schulter sind weitere Symptome. Die Untersuchung des Patienten ist der Schlüssel zur Diagnose, der Ultraschall bestätigt den Sehnenriss. Die Kernspintomographie gibt entscheidende Hinweise zur Qualität des Gewebes.
Die Therapie ist individuell und richtet sich nach dem Alter, dem Funktionsanspruch des Patienten, der Größe des Risses und der Qualität des Gewebes. Jüngere Patienten mit hohem funktionellen Anspruch und guter Sehnenqualität werden in der Regel operativ behandelt. Zur Verfügung stehen die arthroskopische Sehnennaht und in seltenen Fällen bei erheblicher Vorschädigung Sehnentransfers. Ältere Patienten mit fortgeschrittener Degeneration und geringem funktionellen Anspruch werden zunächst konservativ behandelt. In der Akutphase werden zur Schmerzreduktion entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, Eisanwendungen und krankengymnastische Übungsbehandlungen eingesetzt. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, ist eine Operation in Erwägung zu ziehen. Als Möglichkeiten stehen hier die Sehnennaht, Glättung der Sehnen oder Sehnenersatzoperationen zur Verfügung. Der stationäre Aufenthalt nach einer Sehnenrekonstruktion beträgt 3 Tage. Bei Durchführung der beschriebenen operativen Behandlung und Nachbehandlung können 80 Prozent der Sehnenrisse zur Ausheilung gebracht werden. Die Schmerzen werden in 90 Prozent der Fälle gebessert oder verschwinden.
Es werden verschiedene Formen der Schulterinstabilität unterschieden. Die vordere untere Instabilität nach erfolgter Schulterluxation ist die mit Abstand häufigste Form. Bei der akuten vorderen unteren Schulterluxation wird unter Schmerzausschaltung schonend der Kopf in die Gelenkpfanne zurückgeführt. Anschließend erfolgt die Ruhigstellung und krankengymnastische Übungsbehandlung. Führt diese nicht zum Erfolg, ist in Abhängigkeit des Alters und der Aktivität des Patienten eine Operation in Erwägung zu ziehen. Der Patient hat in verschiedenen Armstellungen die Fähigkeit verloren den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zu zentrieren. Schmerzen und ein Instabilitätsgefühl bei Wurfbewegungen können hierbei die Folge sein. Ein kurzfristiges Taubheitsgefühl im Arm kann auftreten.
Besteht eine symptomatische Instabilität, die konservativ nicht zur Ausheilung gebracht werden kann, ist die arthroskopische Stabilisation indiziert. Hierbei besteht das Operationsziel darin, die abgerissene Gelenklippe (= Labrum) an die Gelenkpfanne in anatomischer Form mit Fadenankern wieder anzunähen und dabei den überdehnten Kapselbandapparat auf ursprüngliche Länge zurückzuführen.
Wenn bei der vorderen unteren Schulterluxation ein erheblicher knöcherner Pfannenrandschaden eingetreten ist, muss die Gelenkpfanne wieder durch Knochen aufgebaut werden. Bei der Operation Knochenblock-Transfer aus dem Beckenkamm oder nach Latarjet wird dabei der Rabenschnabelfortsatz (Proc. coracoideus) mit den anhängigen Sehnen in den Defekt versetzt Dies führt zu einer außerordentlich hohen Stabilität nach Einheilung des Knochens.
Verletzungen des Schultereckgelenkes treten meist bei direktem Sturz auf die Schulter auf. Hierbei kommt es abhängig vom Ausmaß der Verletzung der beteiligten Bandstrukturen zu einer zunehmenden Instabilität im Schultereckgelenk. Eine Stufenbildung um Schaftbreite wird als „Klaviertastenphänomen“ bezeichnet.
Die meisten Schultereckgelenkssprengungen können konservativ therapiert werden. Bei höhergradigen Verletzungen ist eine operative Stabilisierung indiziert. Die wird arthroskopisch assistiert durchgeführt.
Mit zunehmendem Alter treten Verschleißerscheinungen im Schultereckgelenk auf. Hierbei kommt es zur teilweisen oder völligen Aufhebung des Gelenkspaltes zwischen Schlüsselbein (Klavikula) und Schulterdach (Acromion). Betroffen sind besonders Menschen mit kraftbetonten Überkopfarbeiten. Häufig bestehen Nachtschmerzen sowie Schmerzen bei bestimmten Armstellungen (Überkopf und Kreuzen des Armes vor dem Körper), die in Richtung Nacken und Schulterblatt ausstrahlen können. Ein Druckschmerz direkt über dem Gelenk ist typisch.
Führen krankengymnastische Übungsbehandlungen, physikalische Maßnahmen und Injektionen in das Gelenk nicht zum gewünschten Erfolg kann eine operative Versorgung indiziert sein. Hierbei werden arthroskopisch des degenerativ veränderten Schlüsselbeines entfernt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt 2-3 Tage. Der Arm sollte für 4-6 Wochen geschont werden.