Patellaluxation
Vorderer Knieschmerz – Kniescheibenverrenkung
Die Kniescheibe ist ein wichtiger Teil des Kniegelenkes. Sie ist der wichtigste Überträger der Muskelkraft von Ober- auf den Unterschenkel. Bei Bewegungen des Kniegelenkes gleitet sie mit ihrer Rückfläche in einer vom Oberschenkelknochen gebildeten Gleitrinne und bildet so ein eigenes Gelenk, das sogenannte Femoropatellargelenk.
Verschiedene Faktoren können zu einem gestörten Verlauf der Kniescheibe in dieser Gleitrinne führen, was sich in Schmerzen oder gar einer Verrenkung der Kniescheibe äußern kann.
Schmerzen an der Kniescheibe machen sich häufig zunächst beim Treppensteigen, beim Sport oder beim starken anwinkeln des Knies, z. B. in der Hocke, bemerkbar. Später können die Schmerzen bei jeder erdenklichen Bewegung oder auch in Ruhe auftreten.
Kniescheibenverrenkungen, die sogenannten „Patellaluxationen“, treten meist erstmalig im Jugendalter auf. Sie können allerdings auch zu jedem anderen Zeitpunkt erstmalig auftreten. In der Mehrzahl der Fälle ist eine Operation erforderlich.

gesundes Knie
Für den gesunden Lauf der Kniescheibe in ihrer Gleitrinne sind vor allem wichtig:
- die Form der Kniescheibe
- die Form der Gleitrinne
- die Position des Ansatzes der Kniescheiben-Sehne („Tuberositas“)
- die Beinachse (X-Bein / O-Bein)
- die Drehung des Oberschenkelknochens
Treten Probleme mit der Kniescheibe auf, findet man fast immer Veränderungen an einem oder mehreren dieser Faktoren. Auch wenn z.B. eine Kniescheibenverrenkung im Rahmen eines Unfalls stattfindet, liegen fast ausnahmslos Voraussetzungen des Kniegelenkes vor, die eine solche Verrenkung begünstigen.

krankhaft veränderte Situation im Knie
Die korrekte Ausrichtung der Knochen ist dabei der wichtigste Faktor für die Stabilität der Kniescheibe und ihren gesunden Lauf in der Gleitrinne und sollte bei der Therapie vorrangig behandelt werden.
Häufig wird im Rahmen einer Kniescheibenverrenkung ein Riss des innenseitigen Kniescheibenhaltebandes („MPFL“) diagnostiziert. Abhängig von der Schwere der oben genannten Faktoren muss dieses nicht immer mitbehandelt werden. Dagegen sollten bei der Verrenkung entstandene Knorpelschäden, je nach Ausprägung, zeitnah mitbehandelt werden.
In unserer Sprechstunde werden wir gemeinsam mit Ihnen die Befunde aus körperlicher Untersuchung und MRT besprechen und gegebenenfalls durch spezielle Röntgenaufnahmen ergänzen.
Sollte eine Operation erforderlich sein, ist der Ablauf abhängig vom vorliegenden Problem. Während Knorpelschäden in der Regel durch eine Kniegelenkspiegelung behandelt werden, werden knöcherne Fehlstellung an ihrem Ursprungsort behandelt.
Ist dabei eine Korrektur der Ausrichtung des Oberschenkelknochens erforderlich, wird eine sogenannte „Umstellungsosteotomie“ zur Korrektur der Beinachse und/oder zur Korrektur der Drehung des Oberschenkelknochens durchgeführt. Genauere Informationen finden Sie dazu auch im Kapitel „Beinachsenfehlstellung-Umstellungsosteotomie“.
Eine andere Form der Knochenkorrektur stellt der sogenannte „Tuberositasversatz“ dar. Dieser wird erforderlich, wenn sich der Ansatz der Kniescheibensehne am Schienbein (= „Tuberositas“) zu weit auf der Außenseite befindet. Dies ist eine häufige Ursache für Schmerzen oder für eine Verrenkung der Kniescheibe. Beim „Tuberositasversatz“ wird der Ansatz der Kniescheibensehne mit einem weiter innenseitig entnommenen Knochenblock getauscht und anschließend mit 2 Schrauben an seinem neuen Ort fest fixiert.
Sofern es erforderlich ist, auch das innenseitige Kniescheibenhalteband („MPFL“) operativ zu behandeln, wird dieses im Regelfall durch eine aus der Kniekehle entnommene Sehne vollständig ersetzt. Nur bei Kindern, bei denen das Wachstum noch nicht abgeschlossen ist, ist der Versuch einer Naht dieses Haltebandes sinnvoll. Die entnommene Sehne wird dann präpariert und V-förmig über biologische Schraubenanker an Kniescheibe und Oberschenkel befestigt. Die korrekte Positionierung des neuen Bandes am Oberschenkelknochen ist dabei besonders wichtig und wird mithilfe eines Röntgengerätes während der Operation überprüft.
Die genaue Nachbehandlung richtet sich nach der Art des durchgeführten Eingriffs. Als Faustformel kann jedoch gelten, dass es etwa 4-6 Wochen dauert, bis das Bein wieder voll belastet werden darf. Insbesondere im Falle von Knorpelschäden oder eines Bandersatzes ist zudem das Tragen einer Kniegelenksorthese erforderlich, wobei die maximal erlaubte Beugung anfänglich limitiert und in 2 Wochen Schritten gesteigert wird. In jedem Fall erhalten Sie von uns nach der Operation einen individuellen Nachbehandlungsplan als Leitfaden für Sie und die Physiotherapie.