Krankenhaus St. Josef

Was bedeutet Schmerztherapie?

Schmerztherapie ist die Aufgabe eines jeden Arztes, insbesondere wenn es sich um akute Schmerzen handelt. Für die Behandlung chronischer Schmerzen sind spezialisierte Einrichtungen notwendig.

Multimodale Therapieformen/Methoden der Schmerztherapie

Für die Therapie wichtig ist die Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Pflegediensten, Arzthelferinnen, aber auch Selbsthilfegruppen. Die von uns angebotenen schmerztherapeutischen Verfahren sind:

  • Pharmakotherapie (Therapie mit Medikamenten)
  • Spritzen von lokalen Betäubungsmitteln an schmerzhafte Stellen
  • Nervenblockaden (siehe unter Regionalanästhesie)
  • Anlage von Schmerztherapiekathetern, z.B. dem Periduralkatheter, über den lokale Betäubungsmittel, Cortison oder Opiate in Rückenmarksnähe eingebracht werden
anlegen eines Schmerzkatheters am Hals
anlegen eines Schmerzkatheters am Hals
Schmerzkatheter unmittelbar nach Anlage
Schmerzkatheter unmittelbar nach Anlage
Anlegen eines Schmerzkatheters vom Rücken und Wirbelkanal aus Periduralanästhesie). Schwarzes Feld = Region der Schmerzausschaltung.
Anlegen eines Schmerzkatheters vom Rücken und Wirbelkanal aus Periduralanästhesie). Schwarzes Feld = Region der Schmerzausschaltung.
Schema, zugleich der Schnitt im Wirbelkanal, in die die Hohlnadel und anschließend der Katheter eingelegt wird (Periduralanästhesie).
Schema, zugleich der Schnitt im Wirbelkanal, in die die Hohlnadel und anschließend der Katheter eingelegt wird (Periduralanästhesie).
  • diagnostische und therapeutische Lokal- und Leitungsanästhesie
  • transcutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Akupunktur
  • physikalische Therapie (einschließlich Kältekammer und Bewegungsbad)
  • Ergotherapie
  • Entspannungsverfahren
  • manuelle Therapie
  • schmerzbezogene Gesprächstherapie
  • Psychotherapie (schmerzbezogen)
  • Sympathikusblockaden
  • Implantation von Schmerzpumpen und Rückenmarkstimulation (SCS-= Spinal-Cord-Stimulation)
  • neurolytische Nervenblockaden
  • ambulante und stationärer Entzugsbehandlung von Mischanalgetika, Ergoalkaloide, Benzodiazepinen und anderen algogenen und psychotropen Substanzen bei Schmerzkranken
  • Beratung von Patientenselbsthilfegruppen, ambulanten Pflegediensten

Medikamentöse Schmerztherapie

Der Einsatz von Schmerzmedikamenten erfolgt nach dem Stufenschema der WHO. Dabei ist es bei chronischen Schmerzen wichtig, dass die Medikamente nach einem festen Zeitplan eingenommen werden. Zu den wichtigen Schmerzmedikamenten zählen auch schwach und stark wirksame Opiate. Die häufig vorhandene Angst, von Opiaten abhängig zu werden, ist bei der Einnahme von retardierten Opiaten im Rahmen der Therapie einer chronischen Schmerzkrankheit unbegründet. Die Gefahr einer Abhängigkeit ist bei der Einnahme von so genannten Mischanalgetika, d.h. Schmerzmittel, die sich aus mehreren Substanzen zusammensetzen (besonders bei Kopfschmerzpatienten), wesentlich höher. In diesen Fällen ist häufig ein ambulanter oder stationärer Entzug dieser Medikamente notwendig.

Beispiel für eine TENS-Behandlung
Beispiel für eine TENS-Behandlung

TENS

Transcutan bedeutet durch die Haut. Hier werden durch die Haut elektrische Impulse abgegeben, die sich auf die Schmerzverarbeitung positiv auswirken. Der Körper wird hierdurch in die Lage versetzt, schmerzstillende Substanzen auszuschütten. Der therapeutisch verwendete Strom wird als Kribbeln wahrgenommen und überdeckt das Schmerzgebiet. Diese Therapie ist nicht unangenehm und wird vom Patienten nach einiger Zeit zu Hause selbst weiter durchgeführt.

Rückenmarkstimulation

Die Spinal-Cord-Therapie kann ähnlich wie die TENS-Therapie über verabreichte Ströme die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Hierbei wird über eine in den Rückenmarkskanal eingebrachte Elektrode eine Reizung der Hinterstränge des Rückenmarks vorgenommen. Diese Elektrode ist klein und wird vom Patienten nach der Implantation nicht mehr wahrgenommen. Sie wird mit einem Impulsgeber, der ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher unter die Haut gebracht wird, verbunden. Gute Erfahrungen bestehen bei Patienten mit nicht mehr weiter therapierbarer koronarer Herzkrankheit, mit arterieller Verschlusskrankheit, so genannten neuropathischen Schmerzen und besonders durch die Nervenwurzel hervorgerufenen radikulären Beschwerden der Wirbelsäule.

Beispiel für eine Opiatpumpe
Beispiel für eine Opiatpumpe

Implantation von Opiatpumpen

Dort, wo eine normale Einnahme von starken Schmerzmitteln nicht mehr hilft, kann die Gabe von Schmerzmitteln direkt an das Rückenmark sinnvoll sein. Dazu werden so genannte Spinalkatheter benutzt. Die Menge der verabreichten Opiate ist weitaus geringer, als die der oral eingenommenen Opiate. Ist eine Testphase erfolgreich, so kann eine Implantation eines Spinalkatheters vorgenommen werden, der dann mit einer Medikamentenpumpe, die unter die Haut eingebracht wird, verbunden wird.

Neurolytische Nervenblockaden

Nerven sind in der Lage, unterschiedliche Funktionen auszuüben. Sie bestehen aus verschiedenen Fasern. So können Gefühl aber auch Bewegung über denselben Nerv vermittelt werden. Aus diesen Gründen ist es nicht an allen Stellen des Körpers möglich, nur Schmerzfasern zu blockieren oder zu zerstören. Im Bereich des sympathischen Nervensystems, welches für schmerzhafte Durchblutungsstörungen verantwortlich ist, ist häufig eine so genannte Neurolyse möglich. Besonders bei Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit ist eine ganglionäre Sympathikusblockade sinnvoll. Nerven, die die so genannten Facettengelenke (Verbindungen der einzelnen Wirbel) versorgen, können für chronische Rückenschmerzen verantwortlich sein. Auch hier ist eine so genannte neurolytische Nervenblockade ein sinnvoller Therapieansatz. Bevor diese Verfahren jedoch angewendet werden, muss eine Blockade mit Lokalanästhetika erfolgen.

Entspannungsverfahren

Bei Schmerzpatienten hat sich besonders das Jacobsen-Training als Entspannungstraining durchgesetzt. Da Schmerzen häufig mit einem erhöhten Tonus der Muskulatur verbunden sind, ist die erlernte Möglichkeit, Muskulatur zu entspannen, ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie.

Psychologische Schmerzbehandlung

Chronischer Schmerz führt häufig auch zu psychischen Veränderungen, denen sich kaum ein Schmerzpatient entziehen kann. Diese führen häufig zu Problemen im Bereich des sozialen Umfeldes oder in der Arbeitswelt. Aus diesem Grunde ist eine psychologische Begleitung notwendig. Sie hilft, mit der eigenen Schmerzerkrankung anders umzugehen.

Diagnostische und lokale Leitungsanästhesie

Verschiedene Methoden aus dem Bereich der Anästhesiologie stehen zur Verfügung, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen. Für die Diagnose ist es wichtig festzustellen, ob eine regionale Blockade von Schmerzfasern Einfluss auf Schmerzstärke und Schmerzempfinden hat. Im Weiteren kann dann therapeutisch in mehreren Sitzungen stufenweise eine Beschwerdelinderung erreicht werden. Zur Sicherstellung von Diagnostik und Therapie werden Dokumentationsverfahren in Anlehnung an die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes sowie der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie verwendet. Es finden regelmäßige, mindestens wöchentliche, schmerztherapeutische Teamkonferenzen sowie monatliche interdisziplinäre Schmerzkonferenzen statt. Die interdisziplinäre schmerztherapeutische Betreuung der Patienten erfolgt in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen für Orthopädie, Rheumatologie sowie der Abteilung für Orthopädische Rheumatologie und Handchirurgie des Sankt Josef – Zentrum für Orthopädie und Rheumatologie. Es stehen physiotherapeutische Einrichtungen (einschl. eines Bewegungsbades sowie einer Kältekammer) und eine Ergotherapie zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga werden Patientenfortbildungen veranstaltet. Es bestehen enge Zusammenarbeiten mit weiteren Patienten-Selbsthilfegruppen, insbesondere der Deutschen Rheumaliga.

Deutscher Schmerzpreis
Deutscher Schmerzpreis

Ziele einer Schmerztherapie

Wichtige Behandlungsziele sind Schmerzreduktion, Verbesserung der Lebensqualität und Minderung der schmerzbedingten Beeinträchtigungen. Unsere Patienten werden aktiv in die Therapie mit einbezogen.

Jetzt Facebook-Fan werden.   Jetzt YouTube-Channel abonnieren.
Seniorenhaus Heilige Drei Könige